Schloß Wolfsthal

Die Beschreibung des Schloß stammt von Patrik Schicht

Lage/Baubeschreibung:

Schloss Wolfsthal

Schloss Wolfsthal

Das versteckte 3 geschossige Schloss liegt im Zentrum der gleichnamigen Ortschaft, ca. 5 km östl. von Hainburg, nahe zur Slowakei. Die weitläufige Anlage gliedert sich in das Hauptschloss, einen umgebenden großen Schlosspark sowie einen mehrteiligen Wirtschaftshof. Da keine Forschungen vorliegen, kann die Baugeschichte nur grob skizziert werden.

Im Grundriss des Schlosses zeichnet sich ein geknickt-rechteckiger Kernbau mit 26 m Breite ab, der einheitliche Außenmauern von 90 cm Stärke aufweist. Das Mauerwerk zeigt lagenhaft ausgezwickelten Bruchstein des Spätmas. Im Osten dürfte zentral ein Tor gelegen haben. Im Norden blieb auf 18 m Länge ein schmaler Einbau in gleicher Technik erhalten, der als früher Wirtschaftsbau zu deuten ist. Im Südwesten zeichnet sich ein ehm. Eckturm ab, der bei Vischer 1672 dokumentiert ist. Aufgrund seiner geringen Maße von 5,2 x 6 m ist er eher als Machtsymbol denn als starker Bergfried zu werten.

Aufgrund der Lage im Sumpfgebiet der Donauauen ist daher zu vermuten, dass diese Anlage am Standort einer älteren Wasserburg im Spätmittelalter als kleiner Ansitz von Grund auf neu errichtet wurde. Bereits im frühen 16. Jh. kam es zu bedeutenden Verstärkungen, die wohl auf die Türkengefahr zurückzuführen sind. Man legte einen umlaufenden Zwinger an und schützte ihn mit drei runden sowie zwei polygonalen Bastionen, die durch zahlreiche Schießkammern geschütztauglich ausgestattet waren. Erhalten blieben davon eine Polygonalbastei im NO und der Unterbau des NW-Turms. Gleichzeitig wurde wohl der Eingang in den Turm verlegt und an Stelle des alten ein breiter Wohnbau eingefügt. Offenbar kam es dennoch zu Zerstörungen, jedenfalls wurde bis ins mittlere 17. Jh. ein 4-flügeliges Renaissanceschloss errichtet, das Vischer 1672 mit tw. neu vorgeschobenem turmbewehrtem Zwinger und breitem Wassergraben zeigt, der Torturm hatte einen hohen Zwiebelhelm. Davon künden im Inneren zahlreiche Kreuzgratgewölbe und Mischmwk. Im NW-Polygon dürfte eine Kapelle eingebaut worden sein, sie zeigt ein Stichkappengewölbe, Reste einer gemalten Säulenwandgliederung sowie ein Sprenggiebelportal. Die Eckbastionen erhielten in Grabennähe runde Geschützscharten des späten 16.Jhs. Auch der vorgelagerte Wirtschaftshof ist bei Vischer mit langen Schartenmauern befestigt dargestellt. Lagerichtig stehen heute noch einige Trakte in Mischmauertechnik. Weiters finden sich Pfeilerhallen und ein Wappenstein der Walterskirchen, bez. 1579. Nach Zerstörungen im 2. Türkenkrieg 1683 wurde der W-Trakt samt Zwinger für Wohnzwecke völlig überbaut, sonst blieb das Schloss äußerst wehrhaft.

Schloss Wolfsthal

Schloss Wolfsthal

Erst nach den Napoleonischen Kriegen wurden Graben und Zwinger entfernt und das Schloss erhielt eine symmetrische klassizistische Hauptfront mit zwei vortretenden Seitenrisaliten. Um 1870 kam es schließlich zur historistischen Umgestaltung im Stil der romantischen Neogotik, die bis heute das Bild prägt. Es wurden Erker, Altanen, Fialen und Pfeiler vorgestellt, im Inneren wurden tw. neogotische Rippengewölbe eingefügt. Als Architekt wird Luwdig Wächtler vermutet, der auch in Grafenegg und Ottenstein gewirkt hat. Heute präsentiert sich daher das Schloss vom Zugang her als romantisches Landgut, während auf der Rückseite der wehrhafte ma. Charakter weitgehend erhalten blieb.